Vortrag: Bethels „Kampf“ gegen die NS-„Euthanasie“ – Öffentliches Bild und eigene Rolle, 1945-1970

Im Rahmen des Diakoniewissenschaftlichen Colloquium referierte Dr. Uwe Kaminsky am 09. Dezember 2020 zu Bethels „Kampf“ gegen die NS-„Euthanasie“ – Öffentliches Bild und eigene Rolle, 1945-1970.

„Wie konnte er das?“, fragte rhetorisch der vor dem Nürnberger Militärtribunal angeklagte und von Hitler mit der „Euthanasie“ beauftragte Karl Brandt am 19. Juli 1947. Brandt verwies damit auf die kolportierte Meinung Fritz von Bodelschwinghs (d.J.), dass er kein Verbrecher sondern ein Idealist sei.

Das Verhalten der v. Bodelschwinghschen Anstalten (heute Stiftungen) zu den nationalsozialistischen Kranken- und Behindertenmorden ist ein bereits zeitgenössisch kontrovers betrachtetes Thema gewesen. Die Frage, was geschah und wie man damit umging, wurde und wird immer wieder zum Thema gemacht, weil es je nach Sichtweise geeignet erscheint entweder eine ethische und theologische Grundüberzeugung zur Verteidigung des Lebensrechtes von Menschen mit psychischen Erkrankungen und Behinderungen zu illustrieren oder aber genau das Gegenteil zu zeigen, nämlich wie durch eine pragmatische Haltung des Eingehens auf staatliche Zumutungen auch die eigene ethische Position schwankend wird.

Dem Entstehen des Bildes von Bethels „Kampf“ gegen die NS-„Euthanasie“ wurde im Vortrag nachgegangen. Dr. Uwe Kaminsky ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Christliche Gesellschaftslehre der ev.-theologischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum.