Diakoniewissenschaftliches Kolloquium am 14. April 2021

Dr. Frank Konersmann referierte am 14. April 2021 im Rahmen des Diakoniewissenschaftlichen Kolloquiums in Kooperation mit dem Institut für Diakonie- und Sozialgeschichte (IDSG) zu

„Von Guten und Bösen, von Opfern und Tätern“

– Bemerkungen zu begrifflichen und methodischen Fallstricken und zu Chancen ihrer Vermeidung in Biographien der Diakoniegeschichte (im Rahmen der Historiographie über das NS-Regime).

Den Ausgangspunkt des Vortrages bildet die Verwendung der beiden Begriffspaare ‚Gute und Böse‘ und ‚Opfer und Täter‘ in verschiedenen Zweigen der Historiographie über das  NS-Regime, wo  Personengruppen mit diesen beiden Begriffspaaren identifiziert werden. Gefragt wird zunächst  nach der jeweiligen Bedeutung und Funktion dieser Begriffspaare an ausgewählten Beispielen für verschiedene Gattungen historiographischer Darstellung (Weltkriegsmuseen, Täter- und Opferbiographien im Rahmen von Dokumentationen und Gedenkbüchern, Biographien, Monographien mit systematischen Betrachtungen etc.). Im Anschluss soll gemäß der historischen Semantik die Asymmetrie dieser Begriffspaare hinsichtlich ihrer Konsequenzen für die solchermaßen identifizierten Personengruppen aufgehellt werden. Sodann wird gefragt, erstens, ob und inwiefern eine solche Identifizierung mit den methodischen Möglichkeiten der Geschichtswissenschaft (historisch-kritische Textanalyse, analytische Ansätze der historischen Sozialwissenschaften), der es hauptsächlich um das Verstehen von Menschen, Ereignissen und Vorgängen geht, vereinbar ist, und, zweitens, welche Interessen, Erwartungen, Anliegen und Bedürfnisse letztlich ausschlaggebend sind, die auf eine solche Identifikation von Personengruppen zielen und sie bevorzugen. Schließlich soll erörtert werden, welche methodischen Chancen die historiographische Gattung der Biographie bietet, die nach Wilhelm Dilthey auf das Verstehen ausgerichtet ist, und welche Grenzen ihr unterliegen in Anbetracht der während des Vortrages angesprochenen heterogenen Interessen und Erwartungen an eine historiographische Darstellung von Einzelpersonen und Personengruppen während des NS-Regimes.

Zur Person:

Dr. Frank Konersmann ist wissenschaftlicher Berater im Archiv der diakonischen Stiftung Eben-Ezer in Lemgo. Zuvor war er als Archivar der Stiftung tätig und hat bis 2019 als Lehrkraft an der Fakultät für Geschichtswissenschaft, Philosophie und Theologie der Universität Bielefeld gearbeitet. Einer seiner Forschungsschwerpunkte ist die europäische Agrar-, Sozial- und Klimageschichte der Frühen Neuzeit, wozu er zuletzt den Band mit dem Titel ‚Die Kleine Eiszeit (1430-1830) in Unterricht und Lehre‘ veröffentlichte.

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„Von der Pflege zur Leitung: Katholische Schwestern in Krankenhäusern des 19. und 20. Jahrhunderts“.

Am 13. Januar referierte Frau Dr. Relinde Meiwes (Berlin) im Rahmen des Diakoniewissenschaftlichen Kolloquiums des Instituts für Diakonie- und Sozialgeschichte (IDSG) zu „Von der Pflege zur Leitung: Katholische Schwestern in Krankenhäusern des 19. und 20. Jahrhunderts“.

Dr. Relinde Meiwes beschäftigte sich mit dem Einfluss der katholischen Frauenkongregationen auf Etablierung und Fortentwicklung sowie auf Inhalte und Praxis der Krankenpflege im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Sie zeigte, dass die Tätigkeit der Schwestern keineswegs auf eine dienende und sorgende Funktion beschränkt blieb. Das Aufgabenspektrum von einer qualifizierten Krankenpflege bis hin zur Leitung eines Krankenhauses – im Besitz der Kongregation – erforderte darüber hinaus gehende Qualifikationen.

Dr. Relinde Meiwes lebt und arbeitet als freiberufliche Historikerin in Berlin und forscht in ihrem aktuellen Projekt über das Engagement von Franziskanerinnen und Elisabethschwestern im Pflegewesen.