Forschungsprojekt „Unternehmenskultur“

Forschungsprojekt „Merkmale diakonischer
Unternehmenskultur in einer pluralen Gesellschaft“

Forschungsprojekt von

Prof. Dr. Beate Hofmann, Institut für Diakoniewissenschaft und DiakonieManagement der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel
in Zusammenarbeit mit
Prof. Dr. Tim Hagemann, Fachhochschule der Diakonie, Bethel

Ausgangslage. Diakonische Einrichtungen werden verstärkt auf ihr besonderes diakonisches Profil hin befragt. Gleichzeitig wird die Mitarbeiterschaft religiös und kulturell pluraler. Zunehmend wird diskutiert, wohin sich die diakonische Identität von Einrichtungen entwickelt, wenn dort auch Mitarbeitende mit anderer oder ohne Religionszugehörigkeit arbeiten.

Zu diesem Diskurs will das Forschungsprojekt einen empirischen Beitrag liefern.

Ziele. Das Projekt hat zwei Ziele:

  • Instrumente entwickeln und erproben, über die Unternehmenskultur empirisch beschrieben werden kann sowie „Kulturlandkarten“ für Einrichtungen erstellen.
  • Untersuchen, wie sich nicht- oder andersreligiöse Mitarbeitende zu der beschriebenen Kultur verhalten.

Zentrale Hypothese. Eine christlich geprägte Unternehmenskultur kann auch bei einer religiös pluralen Mitarbeiterschaft diakonischen Organisationen ein besonderes Profil geben, das diese Einrichtungen zu einem Ort gelebter Religion – auch jenseits der individuellen Religiösität – macht.

Nutzen. Das Forschungsprojekt wird die Relevanz religiöser Prägungen im Handeln diakonischer Organisationen in einer multireligiöser werdenden Mitarbeiterschaft und Gesellschaft untersuchen und damit einen empirischen Beitrag zum Diskurs um einen profilierten Pluralismus liefern. Durch die Analyse der Unternehmenskultur aus Sicht der Mitarbeitenden in der Diakonie eruiert das Projekt zentrale Indikatoren diakonischer Kultur, die Hinweise auf eine bewusste Förderung dieser Kultur geben können. Damit werden diakonische Organisationen für Nutzende und potentielle Mitarbeitende auf dem Markt klar erkennbar und sichern ihre Attraktivität.

Zudem bietet das Projekt in der aktuellen Diskussion um die Loyalitätsrichtlinie und den Umgang mit der Kirchenmitgliedschaft von Mitarbeitenden in diakonischen Einrichtungen wichtige empirische Erkenntnisse über den Umgang nichtchristlicher Mitarbeitenden mit diakonischer Unternehmenskultur als Basis für die Entwicklung sinnvoller Inkulturationsmöglichkeiten.


Forschungsansatz

Dem Anspruch der Diakoniewissenschaft entsprechend ist das Forschungsprojekt interdisziplinär angelegt. Ausgehend von einer theologischen Fragestellung werden Theorien und Methoden der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften einbezogen.

Das Forschungsvorhaben knüpft an den Arbeiten von Sackmann zur Erforschung von Unternehmenskultur an. Sackmann folgt dabei dem Unternehmenskulturkonzept von Edgar Schein, das mehrdimensional (Artefakte, Werte, Grundannahmen) ansetzt (Schein 1995).

Unternehmenskulturforschung hat bisher keine Unternehmen mit einem religiös weltanschaulichen Hintergrund untersucht. Daher erfassen die bisherigen Instrumente den spirituellen Horizont der Unternehmenskultur nicht. Um diesen Horizont angemessen wahrzunehmen wird für diese Studie ein induktives Verfahren gewählt, das den Erfahrungen von Mitarbeitenden Raum gibt. Zudem erfordert die empirische Beschreibung von Unternehmenskultur als eines teilweise unbewussten, dynamischen, komplexen Systems aus Werthaltungen und Alltagspraktiken die Triangulation von qualitativen und quantitativen Forschungsmethoden.

Das Forschungsprojekt untersucht exemplarisch welche kulturellen Praktiken, Wertehaltungen und Grundannahmen das Handeln der Mitarbeitenden in verschiedenen diakonischen Organisationen prägen und inwiefern sich hier Spezifika zeigen.

Des Weiteren wird geprüft, inwieweit diese Praktiken von Menschen unterschiedlicher religiöser Orientierungen als Teil ihres professionellen Handelns akzeptiert und in das eigene Wertesystem übernommen werden. Damit wird erforscht, wie sich eine christlich geprägte „Kultur des Helfens“ in einer multireligiöser werdenden Gesellschaft weiterentwickeln und für Menschen aus anderen religiösen und kulturellen Kontexten zugänglich werden kann.


Forschungsdesign

In der Studie werden exemplarisch zwei Felder diakonischer Arbeit, Altenhilfe und Hilfen für Menschen mit Behinderung, untersucht. Die teilnehmenden Einrichtungen liegen in unterschiedlichen Regionen, im Osten, Westen und Süden Deutschlands mit unterschiedlicher religiöser und multikultureller Prägung. Insgesamt ist eine Erhebung bei 10 diakonischen Trägern, in insgesamt 20 – 25 Einrichtungen geplant.

Die Datenerhebung und Auswertung erfolgt in mehreren Schritten.

  1. Schritt: Entwicklung von Kulturindikatoren des Profils der Kultur einer Einrichtung
    In Fokusgruppen, bestehend aus 10 – 12 Mitarbeitenden verschiedener Arbeitsbereiche, werden in zwei Gesprächen wesentliche Kulturindikatoren (Items) erhoben, verdichtet und nach der Methode des Concept Mapping (Sackmann 2006, Kolb & Shepherd 1997) geclustert.
  2. Schritt: Untersuchung der orientierenden Wirkung der Kulturelemente
    Aus den Kulturindikatoren werden unter Aufnahme von Elementen aus dem Pattern Matching (Burchell & Kolb 2003) Fragebögen entwickelt, die an alle Mitarbeitenden der jeweiligen Einrichtung verteilt werden, um die Relevanz der Kulturitems umfassender zu untersuchen.
  3. Schritt: Interviews mit Mitarbeitenden ohne religiöse Bindung oder mit anderer Religionszugehörigkeit
    In Interviews mit ein bis zwei ausgewählten Mitarbeitenden ohne christliche Religionszugehörigkeit je Einrichtung kann der Umgang dieser Mitarbeitenden mit den erarbeiteten Elementen der Unternehmenskultur ihrer Einrichtung erkundet werden.


Laufzeit

Das Forschungsprojekt ist auf eine Laufzeit von drei Jahren angelegt (10/2015 bis 09/2018).


Projektmitarbeitende

Prof. Dr. theol. Beate Hofmann (Projektleitung)
Tel.: 0521 144-54 46
E-Mail: hofmann@diakoniewissenschaft-idm.de

Carolin Brune
Tel.: 0521 144-26 20
E-Mail: brune@diakoniewissenschaft-idm.de

Heike Schneider
Tel.: 0521 144-26 20
E-Mail: schneider@diakoniewissenschaft-idm.de

Institut für Diakoniewissenschaft und DiakonieManagement
Forschungsprojekt Unternehmenskultur
Bethelweg 8
33617 Bielefeld

In Zusammenarbeit mit

Prof. Dr. phil. Tim Hagemann
Tel.: 0151 2187 4539
E-Mail: tim.hagemann@fhdd.de

Fachhochschule der Diakonie
Bethelweg 8
33617 Bielefeld


Projektmittel

Das Forschungsprojekt wird von mehreren Zuwendungsgebern aus dem Bereich der Diakonie und Kirche finanziert.