Forum Diakoniewissenschaft

Das IDM veranstaltet jedes Jahr im November das Forum Diakoniewissenschaft. Über 100 Führungskräfte aus Diakonie und Kirche folgen der Einladung und kommen für einen Tag nach Bielefeld. Das Forum nimmt jeweils ein aktuelles Thema auf und beleuchtet es aus unterschiedlichen Perspektiven in Vorträgen, Diskussionen und Workshops. Die Teilnehmenden nutzen die Beiträge aus Wissenschaft, Politik und Praxis, um sich ein Urteil zu bilden, interessante Anregungen für die eigene Tätigkeit und das eigene Unternehmen zu gewinnen und sich zu vernetzen.
Durch die Verknüpfung mit der Überreichung der Master- und  Promotionsurkunden bietet das Forum auch einen Überblick über die aktuelle wissenschaftliche Arbeit am Institut und den wachsenden Kreis der Absolventinnen und Absolventen der Studiengänge.


Forum 2018

Wie Diakonie und Kirche „agiler“ werden

150 Wissenschaftler und Führungskäfte beim IDM-Forum in Bethel

Das Thema „Agile Führung“ sorgte für einen Besucherrekord. 150 Fachleute aus ganz Deutschland beteiligten sich am 16. IDM-Forum im Assapheum in Bethel. Sie diskutierten über agile Management-Grundsätze, Erfahrungen aus der Praxis und Führungsprozesse unter anderem bei Pflegediensten.
Das „agile Management“ ist ein verhältnismäßig neues Führungs- und Organisationskonzept. „Agilität ist die Fähigkeit einer Organisation, beweglich auf einem Markt zu agieren sowie Kunden- und Bürgerbedürfnisse zu erspüren“, sagte Wirtschaftspsychologin Svenja Hofert aus Hamburg, die bei der Tagung eines der Hauptreferate hielt. Die Autorin, Management- und Karriereberaterin war eine der ersten, die Fachbücher über agile Führung veröffentlichte.
Soziale Unternehmen müssen sich am Markt immer wieder neu behaupten. Zurzeit ändern sich aufgrund der Digitalisierung auch für diakonische Einrichtungen betriebswirtschaftliche und gesellschaftliche Rahmenbedingungen. Ein agiles Management hinterfragt überlieferte Strukturen, unter anderem bei der Personalführung.
Hofert: „Die neugierige Führungskraft ist im Vorteil, die über den Tellerrand schaut, die sich für die Mitarbeiter interessiert.“ Ihrer Einschätzung nach wird es in weiten Teilen der Geschäftswelt ein neues Führungsverständnis geben. Dazu gehören unter anderem eine flexible Mitarbeiterführung, mehr Selbstverantwortung von Teams und ein neues Expertenverständnis; zukünftig würden öfter als bisher „Flexisten“ statt „Spezialisten“ benötigt.
Das Institut für Diakoniewissenschaft und DiakonieManagement (IDM) der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel hatte Wissenschaftler, Führungskäfte und Fachleute zum Forum eingeladen, um gemeinsam über Erfahrungen mit agiler Führung sowie Einblicke in die Begleitung und Gestaltung von sogenannten Agilisierungsprozessen zu diskutieren. Neben Vorträgen gab es auch eine Podiumsdiskussion und Workshops.
Professor Dr. Wolfgang Wasel, Dekan an der Hochschule Ravensburg-Weingarten, erklärte beispielhaft anhand eines niederländischen Pflegedienstes, wie durch eine teamorientierte, agile Unternehmensführung die Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit steigt. Wasel: „Die Sozialwirtschaft hat ein gigantisches Thema: Fachkräfte. Das Beispiel des Pflegedienstes zeigt, dass dort die Arbeit wesentlich attraktiver ist. Das ist ein Vorteil für die Mitarbeiterakquise des Unternehmens.“
Professor Dr. Hanns-Stephan Haas, Vorstandsvorsitzender der Evangelischen Stiftung Alsterdorf in Hamburg und frisch ernannter außerplanmäßiger Professor am IDM, sagte mit Blick auf die diakonische Landschaft: „Wir sind in vielen Bereichen zu langsam, zu schwerfällig und somit auch zu teuer.“ Er betonte die Chancen „agiler Führung“ und empfahl: „Wir sollten anfangen mit diesen Dingen zu arbeiten.“ Von der anregenden Diskussion beeindruckt war Dr. Hans Ulrich Anke, Präsident des Kirchenamts der Evangelischen Kirche (EKD) in Deutschland: „Ich bin gespannt auf die Impulse, die auch die EKD voranbringen können.“
Theoretisch und auch praktisch vermittelte die ganztägige Fachtagung im Assapheum gute Gründe für „agile Arbeitsweisen“ in sozialwirtschaftlichen Unternehmen. Allerdings brauchen Veränderungen auch Zeit. Nach Meinung von IDM-Direktorin Professorin Dr. Beate Hofmann sollten Agilisierungsprozesse in diakonischen Unternehmen sehr gut moderiert werden. „Man kann nicht alles auf einmal machen, sondern Methoden müssen erprobt und Schritt für Schritt eingeführt werden“, sagte sie.
Nach dem offiziellen Tagungsprogramm gab es eine feierliche Würdigung von wissenschaftlichen Leistungen. Melissa Henne erhielt ihre Promotionsurkunde als Doktorin der Diakoniewissenschaft (Dr. diac.). Ihre Doktorarbeit „Technik, die begeistert!? Ethische Reflexion technischer Unterstützung in der Diakonie ausgehend vom Capabilities Approach nach Martha Nussbaum“ erhielt die höchste Auszeichnung „summa cum laude“. Außerdem wurden nach erfolgreichem Studienabschluss Masterurkunden vergeben an Damian Ostermann (mit Auszeichnung), Markus Eisele, Evalina Pasaribu und Piotr Wowry.

Kirchliche Hochschule Wuppertal/Bethel, IDM Forum 2018