Forum 2017

14. IDM-Forum am 10.11.2017:

»Gemacht wird, was refinanziert ist?!«

Rund 130 Wissenschaftler und Führungskräfte diskutierten beim Forum Diakoniewissenschaft. Auf dem Foto sind Gastreferenten und die Organisatoren der Fachtagung, von links: IDM-Direktorin Prof. Dr. Beate Hofmann, Ingo Dreyer (Verband Diakonischer Dienstgeber Deutschland), Prof. Dr. Udo Krolzik (IDM), Dr. Hendrik Höver (IDM), Patrick Ruf (BonVenture), Prof. Dr. Karin Kreutzer (EBS Universität) und Prof. Dr. Martin Büscher (IDM) WEITERE FOTOS vom IDM-Forum gibt es honorarfrei auf Anfrage: a.kroeger@akpr.de

Diakonische Einrichtungen können von Sozialunternehmen lernen

Bielefeld. Vom 14. Forum Diakoniewissenschaft in Bethel kommen deutliche Botschaften. Führungskräfte in der Diakonie wollen mehr soziales Unternehmertum fördern. Außerdem sollen sich Unternehmerpersönlichkeiten innerhalb diakonischer Organisatonen besser entfalten können.
Rund 130 Fachleute, Manager und Wissenschaftler aus Deutschland beteiligten sich an der Fachtagung im Assapheum am Bethelplatz. Das Institut für Diakoniewissenschaft und DiakonieManagement (IDM) der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel hatte bereits in der Einladung eine provokante Formulierung gewählt: Gemacht wird, was refinanziert ist?! Neue Finanzierungsmodelle und soziales Unternehmertum in der Diakonie.
„Das hat Diskussionen angeregt über alternative Finanzierungsformen abseits der klassischen Refinanzierung in der Diakonie“, berichtet Dr. Hendrik Höver vom IDM, der gemeinsam mit Professor Dr. Udo Krolzik das diesjährige Forum thematisch vorbereitete.
Während des Forums wurde bei den Diskussionen deutlich, wie schwer und herausfordernd es für diakonische Einrichtungen ist, neue Wege zu gehen. Krolzik: „Fraglich war, ob sich Sozialunternehmer in den klassischen Strukturen einer großen Einrichtung entwickeln können oder ob sie die Unternehmen verlassen müssen.“
Beispielsweise beschrieb Professorin Dr. Karin Kreutzer von der EBS Universität für Wirtschaft und Recht in Wiesbaden in ihrem Redebeitrag die Chancen und Grenzen von Sozialunternehmertum. Und der Investment-Analyst Patrick Ruf von BonVenture aus München erklärte anhand von Beispielen, wie privates Kapital als Finanzierungsquelle in die Sozialwirtschaft einfließen kann. „Wir sind davon überzeugt, dass es viele Ideen und Geschäftsmodelle gibt, die mit privaten Kapital gefördert werden können“, sagte er.
Unternehmerin Rose Volz-Schmidt aus Hamburg gründete die gemeinnützige Gesellschaft „wellcome“, das zu den sogenannten Social Franchise Pionieren in Deutschland gehört und Angebote für Familien entwickelt. Zuvor arbeitete die gelernte Sozialpädagogin viele Jahre für eine diakonische Einrichtung. Doch ihre Idee familienunterstützender Angebote ließ sich innerhalb dieser Einrichtung nicht weiter entwickeln, weil das finanzielle Risiko und die unternehmerische Wachstumsstrategie ein kirchlich verfasstes Werk nicht akzeptieren kann.
Während der Tagung beschrieb Volz-Schmidt, mit welchen Hindernissen sie in ihrer Gründerzeit konfrontiert war und wie sie als Social Entrepreneur ihre Geschäftsidee finanzierte und gleichzeitig bürgerliches Engagement förderte. Heute sind nach eigenen Angaben rund 250 wellcome-Teams in 14 Bundesländern sowie in Österreich und in der Schweiz aktiv.
„Etablierte diakonische Einrichtungen können von Sozialunternehmen, die oft ähnlich kleiner Startups agieren, lernen“, ist Hendrik Höver überzeugt. Dazu gehöre, in der eigenen Organisation die Voraussetzungen zu schaffen, damit sich Unternehmerpersönlichkeiten mit ihren Ideen entfalten können.
Professor Krolzik empfiehlt Führungskräften: „Bedarfe wahrzunehmen und gemeinsam mit den Mitarbeitenden Projekte zu entwickeln. Die Topebene muss sich das Sozialunternehmertum zu eigen machen, ohne die geht´s nicht, aber möglichst viele Mitarbeitende sollten beteiligt werden.“
Im Rahmen des Forums gab es auch eine feierliche Würdigung der vom Institut für Diakoniewissenschaft und DiakonieManagement betreuten Masterarbeiten und Promotionen. IDM-Direktorin Professorin Dr. Beate Hofmann und Professor Dr. Martin Büscher übergaben die Urkunden zum Doktor der Diakoniewissenschaft (Dr. Diac) an Ronald Dossi, Christian Geyer, Frank Gutzmann, Ute Kahle, Thomas Ostrau, Udo Polenske, Roland Schöttler und Armin Vohr.