Forum 2020

Forum 2020: „Neue Organisationsformen und ihre motivierenden (treibenden) Kräfte. Digitalisierung, Teilhabeorientierung, Fachkräftegewinnung“

Für diakonische Unternehmen, für die Sozialwirtschaft und für weite Teile der Gesellschaft sind weichenstellende, zukunftsweisende Strömungen festzustellen: die Digitalisierung. Das macht vor dem Seniorenbeirat, dem Krankenbett oder dem Kindergarten nicht Halt.

Die Einführung des Bundesteilhabegesetzes (BThG): Das bedeutet die weltweite Würdigung sozialer Rechte und stellt zugleich hohe formelle Ansprüche an die organisatorische Umsetzung.

Der Mangel an Fachkräften: Das gilt für die Pflege, für viele Dienstleistungen, für die Verwaltung, für Bundeswehr, Polizei, Feuerwehr und überall dort, wo dringend Nachwuchskräfte gesucht werden. Von der Generation Y werden neue Ansprüche an die Höhe der Entlohnung, an attraktive Arbeitsplätze, Arbeitszeiten und das Verhältnis von Beruf, Leben und Familie gestellt.

Diese Entwicklungen haben Folgen für die Leitung, Steuerung und die Prozessgestaltung in Organisationen. Bedeutet Digitalisierung mehr dezentrale Steuerung und Abbau von Hierarchien? Erfordert die Einführung des BThG neue, effizientere Verwaltungsprozesse, die eine Steuerung kaum mehr zulassen? Erfordert Fachkräftegewinnung heute ein employer-branding, das Fachlichkeit und Einkommenserwartungen genauso würdigt wie sinngeleitetes Arbeiten? Wie reagiert verantwortliche Leitung auf diese treibenden Kräfte? Können diakonische Unternehmen und kirchliche Sozialwirtschaft mithalten? Können diakonische Unternehmen und kirchliche Sozialwirtschaft darin eigene lebensdienliche, profilgebende, gar trendsetzende Akzente einbringen?

Die Moderation der digitalen Veranstaltung lag bei Herrn Prof. Dr. Dr. Alexander Brink.

Prof. Dr. Dr. Alexander Brink ist u.a. Professor für Wirtschafts- und Unternehmensethik an der Universität Bayreuth und Gründungspartner der concern GmbH, eine auf Corporate Governance, Responsibility und Sustainability spezialisierte Unternehmensberatung mit Sitz in Köln und Bayreuth.  Er gehört zum Stab der PhD-Dozierenden am IDM. (Bild: unternehmensethik.org)

Das Forum startete mit dem Vortrag „Warum und wie sollen sich diakonische Unternehmen neu organisieren?“ von Cornelia Röper, Vorstand Verband für Digitalisierung in der Sozialwirtschaft (vediso), Berlin.

Cornelia Röper ist Vorständin des Verbands für Digitalisierung in der Sozialwirtschaft (vediso) in Berlin und Geschäftsführerin von der mitunsleben GmbH, dem größten ökumenische Startup Deutschlands, hinter dem etablierte Gesellschafter aus der Pflege- und Sozialwirtschaft stehen. U.a. für die von ihr aufgebaute weltgrößte Online-Fragen-und-Antworten-Plattform für Geflüchtete wurde sie 2018 als erste deutsche Preisträgerin mit dem Global Goals Changemaker Award der Bill & Melinda Gates Foundation ausgezeichnet. (Bild: mitpflegeleben.de)

Auf diesen folgten Kurzvorträge, die als diakoniewissenschaftliche Brücken, die Themen des Forums näher beleuchten:

  • Warum und wie sind Nachhaltigkeit und sinngeleitetes Führen treibende Kräfte? Daniel Nowack, Yunus Social Business Funds gGmbH, Frankfurt am Main
  • Warum und wie ist das BTHG eine treibende Kraft? Dr. Matthias Fichtmüller, Vorstand, Oberlin Haus, Potsdam
  • Warum und wie sind Fachkräftegewinnung, -bindung und -entwicklung treibende Kräfte? Dr. Annett Herrmann, Vorstandsbereich Sozialpolitik, Ev. Werk für Diakonie und Entwicklung (EWDE), Berlin

Daniel Nowack ist Geschäftsführer der Yunus Social Business Funds gGmbH, einem Investmentfonds für Sozialunternehmen und Action Tank für nachhaltiges Wirtschaften. Hier verbindet er nachhaltige Innovation, sinngeleitetes Führen und soziales Unternehmertum. Yunus Social Business begleitet weltweit Social-Business-Initiativen bei der Lösung sozialer und ökologischer Probleme mit unternehmerischen Mitteln. Zielgerichtete Innovationen ermöglichen eine Transformation von Wertschöpfungsketten in globaler Verantwortung. Daniel Nowack ist außerdem als Dozent für Lean Startup an der Universität RheinMain und an der Fachhochschule Fresenius tätig. (Bild: yunussb.com)

 

Pfarrer Dr. Matthias Fichtmüller ist seit 2008 Theologischer Vorstand des Oberlinhaus in Potsdam und Geschäftsführer im Kooperationsverbund Autismus in Berlin. Zuvor war er in der Superintendentur in Jüterbog tätig. Dem IDM ist Matthias Fichtmüller durch seine Promotion verbunden. „ Diakonie ist Kirche: Zur Notwendigkeit der Genese einer Diakoniekirche“ lautet der Titel des Band 14 der Nomos-Reihe. (Bild: oberlinhaus.de)

 

Dr. Annett Herrmann ist seit 2015 im Vorstandsbüro Sozialpolitik der Diakonie Deutschland, Evangelisches Werk für Diakonie und Entwicklung, für die Themen der Beruflichen Bildung und Qualifizierung in Sozialen Berufen zuständig. Außerdem ist die promovierte Soziologin Mitglied im Arbeitskreis Deutscher Qualifikationsrahmen (AK DQR) der Bundesregierung als Vertreterin der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAG FW). Sie ist die Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft Fort- und Weiterbildung in der Diakonie (BAG FWD) und die Geschäftsführerin des Bundesverbandes evangelischer Ausbildungsstätten für Sozialpädagogik (BeA). (Bild: diakonie-wissen.de)

Nach der Mittagspause folgten dann Vertiefungen und Konkretionen für diakonische Unternehmen in Workshops mit den Referierenden des Vormittags.

Das inhaltliche Programm schloss mit einem Tagungskommentar von Pfr. Markus Eisele MA, Theologischem Vorstand der Graf Recke-Stiftung, Düsseldorf.

Pfr. Markus Eisele hat im Jahr 2017 sein Masterstudium am IDM abgeschlossen. Er ist als theologischer Vorstand in der Graf Recke-Stiftung, eine der ältesten diakonischen Einrichtungen Deutschlands, in Düsseldorf tätig. (Bild: nrz.de)

Im Anschluss wurden die Masterarbeiten der nationalen und internationale Studierenden und die Promotionen des IDM gewürdigt. Zudem wurde Dr. Bright Mawudor als „Senior Fellow“ geehrt.

Forumsrückblick im RING 01/21